Interview mit Kris Babet (Urban Outfitters Divisional Merchandising Manager)

So, Freunde, ich melde mich heute mal aus dem wunderschönen Mailand, wo ich aktuell Familienbesuch mit Shopping-Trip verbinde. Heute geht es aber nicht um Mailand, sondern um einen ziemlich erfolgreichen und interessanten Typen. Ich durfte nämlich Kris Babet, Divisional Merchandising Manager bei Urban Outfitters, ein paar Fragen zu seinem Beruf als Fashion Buyer stellen. Für jemanden wie mich, der schon als Kind entweder Mario Basler oder Karl Lagerfeld werden wollte, zumindest aber von einem Job in der Fashionwelt geträumt hat, eine ziemlich interessante Geschichte.

Interview – Wie wird man eigentlich Fashion Buyer?

Hi Kris, ohne großes Warm-Up starte ich direkt mal durch: Wie bist du eigentlich zu deinem Beruf gekommen und was machst du bei Urban Outfitters genau?

Kris Babet: Mein offizieller Jobtitel ist Divisional Merchandising Manager für Männermode bei Urban Outfitters, was im Prinzip bedeutet, dass ich der Haupteinkäufer für die Männermode bin. Von externen Kollaborationen, über unsere eigene Marke, bis hin zu den Grafiken auf den T-Shirts – wenn du es am Körper tragen kannst und es nicht um Schuhe geht, dann hatte ich meine Finger im Spiel.

Ich habe nicht studiert, sondern habe einfach als Nebenjob in einem Hugo Boss Laden angefangen, während ich noch in der Schule war. Dann habe ich diverse Halbtagsjobs in Fashionstores gehabt, bis ich irgendwann als Saisonkraft bei Kenzo angefangen habe und dort gemerkt habe, dass mir die Rolle des Fashion Buyers besonders zuspricht. In einer Verkaufsagentur habe ich mich dann endlich bis zum Einkäufer hocharbeiten können. Durch Zufall ist dann Lee, der Urban Outfitters Buying Director, auf mich aufmerksam geworden und hat mir von einer freien Stelle erzählt. Ich habe nicht lange überlegt und bin inzwischen schon 10 Jahre bei Urban Outfitters. Ich habe als Assistant Buyer angefangen und mich dann hochgearbeitet.

Das ist ja mal ein ziemlich cooler Werdegang, der bestimmt viele Leute motiviert, auch weiter Gas zu geben. Gibt es in deinem aktuellen Job einen typischen Arbeitstag für dich?

Kris Babet: Typischerweise komme ich ins Büro und schaue erstmal, ob gerade etwas besonders Wichtiges anliegt: Muss ich noch ein paar neue Bestellungen absegnen? Habe ich einen Termin, um mir eine neue Kollektion anzugucken und mein Urteil zu fällen? Wenn ja, dann gucke ich mir das an und bespreche es mit dem Team.

Wir haben natürlich auch ein eigenes Entwicklerteam für Urban Outfitters, das gerade an neuen Produkten arbeitet und wir versuchen da selbstverständlich auch unseren Input mit einfließen zu lassen. Mein Team und ich arbeiten eng mit dem Design Team zusammen – wir gucken uns Stoffproben an, schauen auf den Zeitplan, besprechen erste Ideen bezüglich der Preise…

Wir achten natürlich auch auf die Verkaufszahlen vom Vortag, um zu sehen, ob soweit verkaufstechnisch alles gut gelaufen ist. Wir beobachten, was verkauft und auch was nicht verkauft wurde, was liegen geblieben ist und ob es irgendwo Probleme gab. Daraus ziehen wir dann natürlich unsere Rückschlüsse.

Und welche von deinen Aufgaben findest du am coolsten?

Kris Babet: Ich mag die Herausforderung, dass man nicht nur für eine kleine Boutique einkauft, sondern für 50 Urban Outfitters Läden in der ganzen Welt. Dabei muss ich mich immer wieder in die kulturellen Unterschiede reinversetzen, denn London ist anders als

Birmingham. Hong Kong ist anders als Bristol. Und Kopenhagen ist noch einmal eine andere Geschichte.

Ist mir auch schon häufiger bei unterschiedlichen Ketten aufgefallen, dass in einigen Städten, zumindest nach meinem Geschmack, deutlich coolere Produkte verkauft werden, als in anderen Städten. Bei euch hat mir bis jetzt zum Beispiel der Store in Kopenhagen am besten gefallen!

Aber ich schweife ab…Gibt es denn auch uncoole Seiten an deinem Job?

Kris Babet: Es ist ein sehr stressiger und anstrengender Job. Man arbeitet am Tag ziemlich lang und häufig gehen auch die Wochenenden für die Arbeit drauf – man muss also eine Menge in den Job reinstecken. Ich mach das gerne, denn ich liebe es. Aber manchmal kann das schon anstrengend sein.

Ich glaube, es ist auch schwierig die richtigen Leute für das eigene Team zu finden. Unser Team arbeitet super miteinander, wenn also jemand geht, ist es immer schwer Ersatz zu finden, der genauso gut ist.

Das glaube ich. Falls ihr mal jemanden ohne besondere Qualitäten und komplett ohne Erfahrung sucht: Ich bin euer Mann!

Nach welchen Kriterien wird denn eigentlich entschieden, ob ein Label in euer Sortiment aufgenommen wird?

Kris Babet: Einkäufer müssen sich Folgendes immer bewusst machen: Sie sind Einkäufer für eine Modemarke und nicht beim Shopping für die eigene Garderobe. Immer wenn jemand im Team den Fokus ein bisschen verliert, dann gebe ich diesen Tipp. Ich frage mich auch häufig selber „Warum kaufe ich diese Brand jetzt ein?“ und wenn die Antwort ist „Weil ich sie schick finde“, dann ist etwas schief gelaufen. Man kauft für den Kunden und nicht für sich selber ein.

Ok, wäre ja auch zu schön, wenn man immer einfach einkaufen könnte, was einem selbst am besten gefällt.

Was gefällt dir denn besonders an Urban Outfitters und was macht den Style von Urban Outfitters deiner Meinung nach aus?

Kris Babet: Ich mag es, in einen Show-Room zu gehen und die große Auswahl an Produkten zu sehen. Man sieht bei solchen Gelegenheiten aber auch, ob noch etwas fehlt und diese Lücken können wir dann mit einer eigenen Urban Outfitter Kollektion füllen.

Besonders mag ich an Urban Outfitters außerdem, dass wir so einen guten Mix an Produkten haben. Wir haben Produkte unserer eigenen Marke, andere Marken und die Produkte, die durch Kollaborationen entstanden sind – wie jetzt zum Beispiel mit Stan Ray. Ich glaube, kein anderer Laden macht, was wir machen: wir haben 50 Läden, aber ich glaube, keine zwei Läden haben genau die gleiche Produktauswahl und Markenmischung im Sortiment.

Und jetzt mal unabhängig von Urban Outfitters: Welche Voraussetzungen muss man denn eigentlich als Fashion Buyer mitbringen?

Kris Babet: Wenn ich jemanden einstelle, dann gucke ich zuerst auf die Erfahrung. Was hat die Person schon beruflich gemacht? Wo schon gearbeitet? Vielleicht hat die Person nicht unbedingt viel Erfahrung als Einkäufer, aber dafür jahrelang samstags in einem Fashionstore gearbeitet. Wenn das für eine unabhängige Kette war, dann ist die Wahrscheinlichkeit von guter praktischer Erfahrung umso größer und ich würde mir von der Person auch mehr erwarten.

Schade, dann bin ich wohl raus. Erfahrung habe ich zwar, aber leider eher in anderen Bereichen.

Wie startet man denn eine Karriere als Fashion Buyer und welche Tipps kannst du jemandem mitgeben, der Fashion Buyer werden möchte?

Kris Babet: Verlier nicht den Mut und versuch so viel Erfahrung zu bekommen, wie nur möglich. Am besten ist natürlich Erfahrung, wo du tatsächlich auch mitarbeiten kannst und dich ausprobieren kannst. Wenn du zum Beispiel ein Schuh-Einkäufer werden möchtest, dann arbeite am Anfang ruhig einfach in einem Schuhladen. Selbst die Erfahrungen, die du in kleinen Nebenjobs machst werden am Ende zählen.

Vielen Dank für das Interview, Kris! Ich muss zugeben, dass ich mich ein klein wenig in den Beruf Fashion Buyer verliebt habe.

Wer die Arbeit von Kris direkt mal bewerten will, kann sich mal die neue Kollektion von Stan Ray reinziehen. Die kommt nämlich bald in die Urban Outfitters Stores.




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