Weekly Struggle #15

Während ich am Sonntag nur so vor mich hinvegetierte, in Selbstmitleid zerfloss und nicht wusste, ob ich weinen sollte, weil doch alles so schlimm war, oder lachen, weil mein Zustand so unglaublich jämmerlich war, wusste ich zumindest eines: An einen Wochenrückblick war in diesem Zustand nicht zu denken. Der Struggle war einfach zu real. Und deshalb sitze ich jetzt am Mittwoch hier, versuche meine Gedanken zu ordnen und einen einigermaßen vernünftigen Text auf die Beine zu stellen.

Von vorne: Die Woche begann gut wie lange nicht, denn nach dem letzten Wochenende war der Montag nur ein kurzer Zwischenstopp in der realen Welt, bevor am Dienstag mit dem Reformationstag schon wieder ein freier Tag anstand. So verbrachte ich den Montag vor allem damit, mich selbst gut gelaunt durch den Tag zu manövrieren.

Am Dienstag stand dann erstmal ein frühes Training an, so dass ich mehr als fit in den Tag startete, denn den Tag mit Sport zu beginnen soll ja eine gute Sache sein und einem Power für den Rest des Tages geben. Klappte bei mir leider nicht so richtig, denn obwohl das Training nicht übertrieben hart war, war ich danach eher ausgepowert als frisch und dementsprechend legte ich mich auch erstmal wieder hin. Natürlich nur, um fit für den Abend zu sein, denn am Abend ging es spontan in die Wexstraße in „La Locanda“, denn dort war ich schon viel zu lange nicht mehr. So lange, dass ich schon fast vergessen hatte, wie gut das Essen dort ist. Und so war ich von der Salsiccia und der Dorade so begeistert, dass mich nicht mal störte, dass Salsiccia und Dorade vielleicht nicht so wahnsinnig gut zusammenpassen. Ich hatte es mir aber ja nun mal so ausgesucht, und eigentlich ist ja auch egal, ob etwas zusammenpasst, solange es schmeckt. Und das tat es, genauso wie der Weißwein, von dem man an einem gemütlichen Abend im Restaurant ja sowieso nicht genug bekommen kann. Da am Mittwoch ja schon wieder Alltag einkehrte und das süße Feiertagsleben ein Ende haben sollte, verabschiedeten wir uns viel zu früh und gingen nach Hause, um satt und somit extrem glücklich einzuschlafen.

Am Mittwoch wurde ich dann ziemlich schnell vom Alltag eingeholt, was vor allem daran lag, dass ich keine Chance hatte zu fliehen. Ich weiß nicht, was in Hamburg am Mittwoch los war, oder ob die Autobahnen rund um Hamburg komplett gesperrt waren, aber ich stand gefühlt den ganzen Tag im Stau. Und als es dann mal weiter ging, kam mir auf einmal eine Gruppe Aktivisten entgegen, die auf einem Panzer mitten durch den Feierabendverkehr rollten, um an die Oktoberrevolution in Russland zu erinnern. Dass sie sich für solch eine Demo nicht den besten Zeitpunkt und auch nicht den allerschlausten Ort ausgesucht hatten, schienen die Demonstranten nicht zu beeindrucken, vielleicht merkten sie es aber auch einfach nicht. Immerhin schaffte ich es trotz der Hindernisse noch rechtzeitig zum Training, brillierte aber schon beim Fußball, was wir zum Aufwärmen spielten,  nicht wirklich und krönte meine Minusleistung damit, dass ich bei einer technisch nicht sehr anspruchsvollen Aktion abrutschte und umknickte. Nach kurzem Schrei und einem Schmerz, der eigentlich nur eine Amputation bedeuten konnte, ging es nach 5 Minuten aber dann doch wieder. Ob ich ein krasses Weichei bin, weil meine erste Reaktion eventuell etwas übertrieben war, oder aber ein absoluter Held, weil ich das Training trotz schwerer Verletzung fortsetzte, darf jeder für sich selbst entscheiden. Ich war auf jeden Fall ziemlich zufrieden mit mir, als ich zu später Stunde im Bett lag und den nervenaufreibenden Tag nochmal Revue passieren ließ.

Zusätzlich schwor ich mir, den folgenden Donnerstag etwas ruhiger anzugehen, und das tat ich dann auch. Schon seit längerem geplant, schaffte ich es endlich mal, das neue Trettmann Album #DIY durchzuhören, das ja von allen Seiten als Deutschrap-Album des Jahres gelobt wurde. Und trotz der hohen Erwartungen, die ich nach all den Lobeshymnen hatte, war ich ziemlich begeistert von dem Album, so dass Trettmann mittlerweile zu meinem festen Begleiter auf sämtlichen Autofahrten geworden ist.

Am Freitag stand dann vor allem die Planung des Wochenendes an. Und da mein Bruder aus Berlin anreiste, musste ich zuallererst mal das Wohnzimmer soweit in Schuss bringen, dass man es ohne schlechtes Gewissen vorzeigen konnte. Da ich natürlich vorgesorgt und in letzter Zeit nicht allzu viel Zeit im Wohnzimmer verbrachte, ging das glücklicherweise recht schnell. So konnte ich dann zur eigentlichen Planung übergehen und das Wochenende durchstrukturieren. Samstagvormittag ging es in die Schanze, wo ich mir mal die Vintage Gallery angucken wollte. Den Vintage Store hatte ich nämlich auf Instagram entdeckt, und er entpuppte sich dann auch als ziemliche Goldgrube. Wobei das Gold im Sinne von ungetragenen Trainingsanzügen aus den 70ern, 80ern und 90ern an den Kleiderbügeln hing und meine Augen zum Leuchten brachte. Nachdem ich einsah, dass es ein Ding der Unmöglichkeit sein würde, alle Ecken des Stores zu durchforsten, entschied ich mich schnell für einen Nike Half Zip aus den 80ern und hatte Probleme, @victorixo von der üppigen Auswahl an Handtaschen loszueisen, damit wir uns auf den Weg nach Hause machen konnten. Ich hatte nämlich schon wieder viel zu lange gebraucht und am späten Nachmittag stand noch ein Punktspiel in der Alsterdorfer Sporthalle an, dass wir gegen meinen Bruder bestreiten sollten, so dass ich so langsam ein bisschen Stress bekam. Vorher machte ich aber noch einen kurzen Abstecher in den Azurer Collection Store, wo ich mir die „EU-Cap“ von Études zulegte, weil Europa momentan modetechnisch nun mal krass gehyped wird und ich da natürlich aufspringen wollte. Außerdem ist die EU ja auch einfach eine gute Sache, für die man gut mal Werbung machen kann. Nach dem kurzen Abstecher hatte ich dann noch weniger Zeit als sowieso schon, so dass ich mir schnell im Bistro Nudeln mit Lachs holte, meine Sachen packte und mich fast direkt auf den Weg zur Halle machte, wo wir das Spiel einigermaßen deutlich gewannen und ich sogar noch ein paar Minuten aufs Parkett durfte. So kam ich zumindest schon mal so langsam in Schwung, denn am Abend hatte unser Kapitän Lukas zum Mannschaftsabend in sein Stellinger Schloss geladen (vielen Dank), was schon im letzten Jahr einigermaßen eskalierte und auch an diesem Abend eine sehr gelungene Veranstaltung wurde. Ganz so schlimm wie im Jahr davor wurde es diesmal zwar nicht, was aber vor allem daran lag, dass wir uns frühzeitig aufmachten, um das Hamburger Nachtleben zu erobern, was wir dann auch taten. Wir feierten ein wenig das Leben und noch viel mehr uns, bis ich mich irgendwann still und heimlich vom Acker machte, nach Hause fuhr und mich zufrieden schlafen legte.

Nicht mehr ganz so zufrieden war ich dann am nächsten Morgen, als ich völlig nichtsahnend aufwachte, voller Vorfreude auf einen wunderschönen Sonntag meine Augen öffnete, meinen Kopf hob und dann doch direkt beschloss, meine großartigen Pläne für den Tag über den Haufen zu werfen. Stattdessen entschied ich mich dafür den Tag im abgedunkelten Schlafzimmer zu verbringen, mich selbst zu bemitleiden und darüber zu sinnieren, ob ich so einen Sonntag denn wirklich verdient hatte. Abschließend sah ich dann doch ein, dass die Lage irgendwie auch ein bisschen selbstverschuldet war und schwor mir, in Zukunft auf ausschweifende Abenteuer im Nachtleben zu verzichten. Was natürlich nicht klappen wird, aber in dem Moment half mir der Gedanke daran ein wenig über meine Leiden hinweg.

Immerhin schaffte ich es am Abend dann noch rechtzeitig zum gemeinsamen Essen mit Brudi Per, was dann doch ein versöhnlicher Abschluss eines mehr als überflüssigen Tages war, auch wenn ich das Essen noch nicht so richtig genießen konnte, musste ich mir zumindest nicht auch noch vorwerfen, dass ich meinen Pflichten als guter Gastgeber aufgrund abendlicher Aktivitäten nicht nachkommen konnte. Nachdem ich Per dann wieder Richtung Berlin verabschiedet hatte, fiel ich dann aber doch direkt wieder ins Bett. Diesmal allerdings mit dem guten Gefühl, den letzten Kater meines Lebens überstanden zu haben, womit ich mich natürlich selbst belog, was mir in dem Moment aber glücklicherweise nicht in den Sinn kam.




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